Yoga – Symbiose von Yin und Yang

Yoga ist eine spirituelle Praxis, die uns hilft, bewusster zu werden, die Perspektive zu verschieben und wieder mehr Selbstverantwortung für unser Leben zu übernehmen.
Im Yoga vereinen wir grundsätzlich sowohl Yin- als auch Yang-Qualitäten. Es geht gerade um diese Symbiose von beidem, die in der Yogaphilosophie die schlafende Kundalini-Schlange am unteren Ende der Wirbelsäule wecken will, damit sie sich mit dem Göttlichen vereint und so Einheit erfährt, denn nichts anderes bedeutet Yoga als Einheit, Einssein mit allem was ist.

Einerseits wollen wir fit sein, andererseits wollen wir zur Ruhe kommen. Beides finden wir im Yoga.

Im Yoga strengen wir uns an, bauen Kraft auf und stärken den Willen. Wir trainieren die Muskulatur und stärken die Knochen. Gleichermaßen lernen wir loszulassen, uns zu entspannen, spätestens in Savasana, der Entspannung, üben wir uns im Sterben, alles Weltliche gehen zu lassen, tief einzutauchen in unsere Essenz.

Yang Yoga

Vinyasa Yoga ist eine dynamische Form des Yoga, bei der durch schnelle, fließende Abläufe und den Ujayii-Atem der Körper vorbereitet, erhitzt und trainiert wird für die oft mit Yoga assoziierten Dehnübungen. Typische Richtungen, die man dem Yang zuordnen könnte sind Ashtanga, Jivamukti, Anusara, Power Yoga.

In der westlichen Welt ist diese Form des Yang Yogas stark verbreitet, der körperliche Aspekt steht hier oft im Vordergrund, obwohl es so viel mehr ist. Es geht um Kraft, Konzentration auf den Atem und das bewusste Führen und Kontrollieren der Asanas (Haltungen), des Atems und der Intention.Dem Atem kommt im Yoga eine entscheidende Rolle zu, ansonsten könnte man auch Aerobic machen.yoga-tanja-sirbu-zen-bear-yoga-jIGvtsdN8BE-unsplash-kl

Je nach Yogarichtung spielen auch Nada Yoga (Yoga des Klang) und Philosophie eine entscheidende Rolle.

In einer reizüberfluteten Welt hilft Yang Yoga uns, den Körper auszupowern, damit wir uns überhaupt erst wieder spüren. Aus der Anstrengung heraus entsteht die Entspannung, die Gedanken werden still. Körper, Geist und Seele können für viele erstmals als Einheit erahnt werden.

Meist eröffnet uns diese Form des Yoga, für mich war es Jivamukti 2005, einen völlig neuen Bereich in uns. Plötzlich nehmen wir wahr, was alles nicht passt, wir erahnen, dass es viel mehr gibt, als wir sehen und verstehen können und wir befinden uns dann bereits auf dem Weg des Bewusstwerdens. Wir starten über eine gewisse Form der körperlichen Ertüchtigung die Reise ins Innere, eine Reise, die auf Dauer unweigerlich Wunden, Zweifel und Unsicherheiten an die Oberfläche bringt. Genau hier begann irgendwann die Symbiose von Yang und Yin Yoga.

Yin Yoga

Yin Yoga ist eine sanfte, aber doch herausfordernde Form des Faszienyoga. Die Faszien des Körpers, eine Art Frischhaltefolie, die alle Organe, Muskeln und Strukturen des Körpers einzeln umspannt und doch miteinander verbindet. Auch die Wissenschaft interessiert sich immer mehr für dieses Wunderwerk des Körpers und doch ist es noch Neuland. Alles Erlebte, Gefühlte und nicht Gefühlte speichert sich in den Faszien, die durch das lange Halten getriggert werden.

Yin Yoga ist eine heilsame Form des Yogas,

die die Qualitäten von Passivität, den eigenen Schatten begegnen können und dem Element Wasser Rechnung trägt. Denn durch das lange Halten können die Faszien wieder befeuchtet werden, so dass mehr Flexibilität möglich wird und der Informationsfluss innerhalb des Körpers besser funktioniert.

Die Praxis erfordert Hingabe und trägt eine tiefgreifende heilende Wirkung in sich. Du schulst deine Selbstwahrnehmung und sinkst in tiefe Entspannung des Parasympathikus, dem Teil des Nervensystems, das für Passivität und Entspannung steht. Es werden viele Hilfsmittel genutzt und die Stellungen 3-8min. gehalten.

In der Yin Yoga Praxis geht es um Achtsamkeit für den Moment, um das Abtauchen in eine Welt des Fühlens, Loslassens und Regenerierens und den Atem frei fließen lassen, keine Kontrolle, also anders als im Yang Yoga. Es geht darum, immer mehr die Beobachterrolle einzunehmen, um das Sein mit dem, was gerade ist, auch wenn es unangenehm ist.

Das ist eine Qualität, die immer mehr Menschen verlernen. Sobald etwas unangenehm ist, gehen wir raus oder betäuben uns, mit Medien, Alkohol, Essen, Ablenkung, Hauptsache nichts Fühlen. Aber genau im Fühlen entfaltet sich die heilsame Kraft des Menschseins. Unser Körper strebt nach Balance und Ausgleich, wenn wir ihm den Raum geben.

Yin und Yang Yoga – Eine Symbiose für den Zeitgeist

Yin: zulassen, annehmen, wohlwollend, miteinander, gefühlsbetont nach innen gerichtet, Bauch und Herzgefühl
Yang: höher, schneller, weiter, sehr wettbewerbsorientiert und ins aussen gerichtet, Verstandesebene

In Zeiten von ständigem Sich-durch-den-Tag-Boxen und von allem zu viel haben, zu viel Lärm, zu viel Auswahl, zu viele Informationen, zu viele Erwartungen, die an Dir ziehen, alles Yang, ist die Yin-Praxis eine Einladung anzukommen, den Reset-Knopf zu drücken und Dein System wieder herunterzufahren.

YIN Yoga steht für die Integration dessen, was sich in diesem Moment zeigt. Nicht mehr funktionieren müssen, nicht alles verstehen müssen oder hinterfragen, sondern ankommen dürfen, dich fühlen und es integrieren durch deine alleinige Präsenz und die Intention, den Raum dafür zu halten. Jeder Schmerz ist ein nicht gefühltes Gefühl und letztendlich eine energetische Blockade, die sich manifestiert hat.

Gefühle sind heutzutage nur noch etwas für die ganz Mutigen.“ Unbekannt

Der Atem ist das verbindende Element zwischen Erde und Himmel,

das, was uns alle verbindet und was Dir jeden Tag aufs Neue geschenkt wird, denn das ist es letztendlich, ein Geschenk. Der Atem ist immer das, was Dich in den Moment bringt, das einzige, was es gibt, diesen Moment. In der hinduistischen Tradition heißt es auch, jeder Mensch hat eine bestimmte Anzahl an Atemzügen, je langsamer Du atmest, desto mehr Erfahrungen kannst Du machen.

Für das gesunde, lebendige und glückliche Leben im Alltag brauchen wir Yin und Yang. Yang als Kraft und Antrieb, um unsere Ziele zu verwirklichen und etwas zu bewirken. Gleichermaßen brauchen wir Geduld, Sein-Können mit dem was ist und Achtsamkeit, um unserer Selbst bewusster zu werden, also Yin.yoga-tanja-sirbu-paul-streltsov-xQ3_dO3nQ6I-unsplash-kl

Beides zusammen entfaltet sich wie eine Blüte. Erst bricht der Stiel durch den Boden, dafür braucht es Kraft und Ausdauer, um sich dann ganz jedem Moment der Sonne, des Regens und dem Vertrauen hinzugeben und zu wachsen, bis sie erblüht in ihrem ganzen Glanz. So ist das menschliche Dasein gedacht, zum Strahlen, in Balance, durch die Schatten hindurch. Sie vergleicht sich nicht und strebt doch nach dem Höchsten.

„The body’s limitation is a reflection of the mind’s limitation.“ Unbekannt

30.01.2020
Namasté.
Tanja Sirbu
www.tanjasirbu.com

Bilderdank an:
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Comments

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